Das Faszinierendste an Barcelonas Sagrada Família ist, dass ihr Bau von Anfang an ausschließlich durch private Spenden und Ticketeinnahmen finanziert wurde. Antoni Gaudí wusste, dass das Projekt ihn bei Weitem überleben würde, und sein berühmter Ausspruch war: „Mein Auftraggeber hat es nicht eilig.“ Dieser vom Volk finanzierte Sühnetempel befindet sich seit über 140 Jahren im Bau.
Gaudís Vision und die unvorhergesehene Tragödie
Obwohl der Name Antoni Gaudí untrennbar mit der Basilika verbunden ist, war er nicht der ursprüngliche Architekt. Das Projekt begann am 19. März 1882 unter der Leitung von Francisco de Paula del Villar. Als Villar 1883 zurücktrat, übernahm der damals 31-jährige Gaudí die Leitung und wandelte den ursprünglichen neugotischen Entwurf radikal in sein einzigartiges Meisterwerk um. Die letzten Jahre seines Lebens widmete er ausschließlich dem Tempel, wobei er vor Ort lebte und arbeitete. Tragischerweise wurde Gaudí im Juni 1926 von einer Straßenbahn erfasst und starb drei Tage später, nachdem er nur die Fertigstellung eines einzigen Glockenturms miterlebt hatte. Er ist in der Krypta seines unvollendeten Meisterwerks begraben.
Geheimnisse im Stein
Gaudí war ein überzeugter Naturalist, und die gesamte Basilika ist ein Zeugnis davon. Er gestaltete den Innenraum so, dass er sich wie ein Wald anfühlt, mit Säulen, die sich nahe der Decke wie Bäume verzweigen und den Blick nach oben lenken. Die gesamte Struktur vermeidet gerade Linien, da Gaudí glaubte, dass diese in der Natur nicht vorkommen. Die drei großen Fassaden sind jeweils einem entscheidenden Moment im Leben Christi gewidmet: der Geburt (Osten), der Passion (Westen) und der Herrlichkeit (Süden). Die nach Gaudís Tod erbaute Passionsfassade zeigt ein kurioses magisches 4x4-Quadrat, bei dem die Summe der Zahlen in jeder Richtung 33 ergibt – das Alter Christi bei seiner Kreuzigung.
Überraschende Fakten im Überblick
- UNESCO-Weltkulturerbe: Obwohl noch unvollendet, wurden die Geburtsfassade und die Krypta der Sagrada Família bereits 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
- Eine Schule auf dem Gelände: 1909 errichtete Gaudí auf der Baustelle eine Schule für die Kinder der Arbeiter. Heute beherbergt das Gebäude eine Ausstellung.
- Zerstörte Pläne: Während des Spanischen Bürgerkriegs 1936 legten Revolutionäre Feuer in der Krypta und der Werkstatt und zerstörten dabei viele von Gaudís Originalplänen und -modellen. Der weitere Bau stützte sich auf erhaltene Fragmente und Rekonstruktionen.
- Insgesamt 18 Türme: Nach ihrer Fertigstellung wird die Basilika 18 Türme haben. Zwölf repräsentieren die Apostel, vier die Evangelisten, einer die Jungfrau Maria und der höchste zentrale Turm Jesus Christus.
- Finanzierung durch Besucher: Als Sühnetempel wird der Bau ausschließlich durch private Spenden und die Einnahmen der Millionen Besucher finanziert, die jedes Jahr Tickets buchen.
- Von einem Papst geweiht: Am 7. November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche, erklärte sie zur Basilica minor und ermöglichte damit die Abhaltung regulärer Gottesdienste.
- Brandanschlag überstanden: Im April 2011 legte ein Brandstifter in der Sakristei ein Feuer, was zur Evakuierung von 1.500 Touristen und Arbeitern führte und Schäden an der Krypta verursachte.
Auf der Zielgeraden
Jahrzehntelang war der Fertigstellungstermin ein ferner Traum. Fortschritte in der computergestützten Konstruktion und bei Steinschneidetechniken haben den Bau im 21. Jahrhundert jedoch drastisch beschleunigt. Obwohl sich das ursprüngliche Ziel der Fertigstellung bis 2026 – dem 100. Todestag Gaudís – durch die COVID-19-Pandemie verzögerte, hat die Hauptstruktur enorme Fortschritte gemacht. Nach seiner Vollendung wird der zentrale Turm Jesu Christi sie zur höchsten Kirche der Welt machen. Die fortlaufende Entstehung zu erkunden, ist ein wesentlicher Teil des Erlebnisses, und viele Besucher entscheiden sich für Führungen, um die gesamte Tragweite ihrer Geschichte und Symbolik zu verstehen.
Häufig gestellte Fragen
Warum dauert der Bau so lange?
Der Bau hat sich aufgrund seiner enormen Komplexität, der Abhängigkeit von privaten Mitteln, Gaudís Tod und erheblichen Unterbrechungen wie dem Spanischen Bürgerkrieg, bei dem die Originalpläne zerstört wurden, in die Länge gezogen.
War Gaudí der erste Architekt?
Nein, der erste Architekt war Francisco de Paula del Villar. Antoni Gaudí übernahm das Projekt 1883, ein Jahr nach Baubeginn, und änderte den Entwurf von Grund auf.
Wie wird die Sagrada Família finanziert?
Die Sagrada Família ist ein Sühnetempel, was bedeutet, dass sie ausschließlich durch private Spenden und die Einnahmen aus dem Ticketverkauf an Millionen von Besuchern jährlich finanziert wird. Sie erhält keine staatlichen oder offiziellen kirchlichen Mittel.
Ist Gaudí dort begraben?
Ja, Antoni Gaudí ist in der Kapelle der Virgen del Carmen in der Krypta der Sagrada Família beigesetzt.
Sind Sie bereit, dieses einzigartige Meisterwerk selbst zu erleben? Buchen Sie Ihre Tickets unbedingt im Voraus, um sich Ihren Platz zu sichern und zur Vollendung von Gaudís Vision beizutragen.
